Das Kleid als Skulptur in der Mailänder Modewoche

trenchcoatDie nächste Herbst-/Winter-Kollektion zeigt uns Kleider, die in einem völlig neuen, dramatischen Look daherkommen. Das Kleid ist in der nächsten kalten Jahreszeit nämlich zur Skulptur erhoben worden – zumindest, wenn das Kleid aus dem Hause Jil Sander kommt. Der Kreativdirektor aus Belgien, Raf Simons von der im Ursprung aus Deutschland stammenden Edelmarke, hat seine Inspirationen für die Kleider für die neue Saison vom Keramikkünstler Pol Chambost bekommen, was die Garderobe steingemeißelt erscheinen lässt.

Auf Muster verzichtet Raf Simons in der kommenden Herbst-/Winter-Saison komplett zugunsten der Form – skulpturgemäß eben. Bei den Kleidern löst sich die obere Lage, um dann spiralartig den Oberkörper zu umschließen. Die Kragen wirken eher wie aus der Bildhauerwerkstatt als aus dem Schneideratelier.

Weitere Elemente der Kleidung sind überspitzt rund gestaltet und der zweite Teil der Kollektion, der dann eher puristisch ausfällt, ist auf edles Kaschmir, kragenlose Mäntel und auch Kleider mit kurzen Ärmeln ausgerichtet – Jil Sander-Klassiker eben. Farblich setzt Simons auf eine dominante Farbe sowie einen knalligen Akzentton. Zitronengelb und Grau treffen dann aufeinander oder aber Schwarz mit Mandarinorange.

Gianfranco Ferré hat die weiblichen und runden Formen mit akzentuierten und kantigen Silhouetten ausgestattet. Roberto Rimondi und Tommaso Aquilano – beide Designer aus dem Mailänder Modehaus – bringen eine insgesamt charaktervolle Kollektion heraus, die in ihrer Handschrift den im Jahr 2007 verstorbenen Ferré würdigt und trotzdem Platz für den Stil der beiden Designer gelassen hat.

Die Schnitte sind geometrisch ausgelegt und diese werden dann sowohl mit matten als auch mit glänzenden Stoffen, die sich länglich aneinanderfügen, umgesetzt. Den beiden Designern ist es sogar gelungen, Rüschen, die verspielt erscheinen, diszipliniert in einer Reihe ausgerichtet wirken zu lassen. Die recht streng gestalteten Kostüme und Mäntel der beiden Designer haben einen wirkungsvollen Auftritt gemeinsam mit den Kleidern, bei denen teilweise wirklich theatralische Faltenwürfe vorhanden sind.

Den wichtigsten italienischen Wettbewerb für den Nachwuchs hat im letzten Jahr Gabriele Colangelo gewonnen und sich damit als Zukunftshoffnung der italienischen Mode erwiesen. Genau diese Hoffnungen hat er in Mailand voll erfüllt. Das Potential des jungen Designers ist enorm, was Colangelo in seinen Asymmetrien, die effektvoll ausbalanciert sind und den zusätzlich effektvoll eingesetzten Stickereien und Drapierungen überzeugend belegt. Und auch seine Pelzverarbeitung, die dem gesamten Material eine angenehme Leichtigkeit verleiht, zeigt die Qualitäten dieses Jungtalentes.

Die englische Marke Burberry trat in Mailand mit richtig voluminösen Mänteln, die vom Trenchcoat angeführt wurden, den Tweedkleidern und dem Pelzkragen, der als loses Accessoire getragen wird, überzeugend auf.


Quelle Foto: Iheartluxe.com

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